Mit dem Handy können wir längst nicht mehr nur telefonieren oder SMS senden. Vor allem seit der Lancierung des iPhones tragen wir neuerdings kleine Druckerpressen rund um die Uhr in unseren Hosentaschen. Doch mit welchen Apps können Journalistinnen und Journalisten dieses Smartphone am effizientesten nutzen?

Audio aufnehmen und bearbeiten

Reicht die Qualität des iPhones tatsächlich, um damit sendbare Aufnahmen produzieren zu können? Dies ist eine immer wiederkehrende – und oft die erste – Frage, sobald das Thema «Mobile Journalism» angeschnitten wird.

Bei Aufnahmen mit dem iPhone ist weniger die Zusatzausrüstung, als vielmehr die richtige Technik ausschlaggebend, ob eine Aufnahme tatsächlich auch on air verwendet werden kann. Die BBC hat dazu einige Tipps zusammengestellt. Wichtig ist zu beachten, dass das iPhone nicht in der «richtigen» Haltung, sondern 180 Grad gedreht – also mit dem Mikrofon zur Tonquelle – gehalten werden sollte. Dabei müssen je nach Atmogeräusche zwischen 30 und 40cm Distanz zur Tonquelle eingehalten werden. Zudem kann ein Einschalten des Flugmodus die Qualität der Aufnahme erhöhen.

Voice-Memo App Sprachmemo-App (kostenlos, bereits vorinstalliert)
Die Sprachmemo-App eignet sich für unerwartete Aufnahmen, läuft auch bei geschlossener App weiter und verfügt über eine integrierte Pegelanzeige. Leider werden fast keine Nachbearbeitungsmöglichkeiten in der App mitgeliefert. Die einzige Exportmöglichkeit ist entweder via USB-Kabel in iTunes oder via Mail im Apple-eigenen m4a-Format.

 

iRig Recorder iRig Recorder (4.50 €) iRig Recorder - IK Multimedia
Im Gegensatz zur Standard-Sprachmemo-App zeichnet iRig Recorder bei der Aufnahme nicht nur das Signal, sondern auch gleich eine Waveform auf. Somit können Ausschläge überprüft und wenn nötig korrigiert werden. Die App bietet vielfältige Exportmöglichkeiten: via WLAN direkt auf den PC oder via Datennetz über FTP, Mail oder Soundcloud.

 

Hindenburg Field Recorder Hindenburg Field Recorder (27 €) Hindenburg Field Recorder - Hindenburg Systems ApS
Der Hindenburg Field Recorder gehört mit seinem stattlichen Preis in die obere Liga der Recorder-Apps. Obwohl die Aufnahmebedienung relativ intuitiv scheint (mit mehrmaligem Klicken auf den Aufnahme-Button können beispielsweise mehrere Marker hinzugefügt werden), ist die Nachbearbeitung eher unpraktisch. So können zum Beispiel keine mehrspurigen Schnitte getätigt werden. Dafür verfügt die App über einen soliden Prozessor und vielfältige Exportmöglichkeiten (Mail, FTP, Soundcloud, iTunes, etc.).

 

VC Audio Pro VC Audio Pro (6 €) VC Audio Pro - VeriCorder Technology, Inc.
VC Audio Pro bietet viele Möglichkeiten zur Nachbearbeitung, so unter anderem auch einen Multitrack-Editor und unzählige Exportmöglichkeiten. Leider gestaltet sich das Design und die Benutzerführung ziemlich unhandlich. Wer allerdings die einzelnen Symbole entziffert hat (dazu gibt es übrigens auch eine multimediale Hilfestellung), wird mit den verschiedenen Bearbeitungstools qualitativ hörbare Beiträge produzieren können.

 

Hokusai Audio Editor Hokusai Audio Editor (kostenlos) Hokusai Audio Editor - Wooji Juice Ltd
Im Gegensatz zu den anderen Audio-Apps kann Hokusai Audio Editor – wie der Name bereits verrät – nur Audiodateien bearbeiten. Dies allerdings in einer überzeugenden und sehr intuitiven Form. Ein zusätzliches Feature bildet die manuelle Auswahl der Ton-Qualitätsstufe beim Export. Torial widmete sich der App und trug verschiedene Anwendertricks zur Audio-App zusammen.

 

Luci Live Luci Live (360 €) Luci Live - Technica Del Arte
Eine richtige Wunderwaffe ist Luci Live: Statt mit einem ganzen Sendebus vorfahren zu müssen, genügt in Zukunft eine einfache App mit unzähligen (teuer) integrierten Codecs und Kompressoren. Auch diese App hat Torial besprochen und mit Tonbeispielen angereichert. Die doch eher teure App lohnt sich auf alle Fälle für kleinere Radiostationen, die endlich sämtliche schlechten Telefoninterviews mit Reportern vor Ort aus dem Programm entfernen wollen.

Produktivität steigern

Zugegeben, es braucht eine Überwindung, um plötzlich statt mit einem Menschen, mit einem Gerät zu sprechen. Doch seit Apple im Oktober 2011 Siri – den hauseigenen Spracherkennungsdienst – vorgestellt hat, wurde das ins-iPhone-Diktieren massentauglich.

Siri Siri (kostenlos, ab iPhone 4S vorinstalliert)
Wer seine Texte mit Siri diktieren will, sollte einige Tricks beachten: Allfällige Umgebungsgeräusche können das Diktat verfälschen. Wer Satzzeichen setzen will, muss diese explizit nennen. Um grössere Ärgernisse vorzubeugen sollte bei längeren Diktaten der Flugmodus eingestellt werden, denn eingehende Anrufe unterbrechen das bereits angefangene Diktat und löschen somit sämtliche Aufnahmen. Eine übersichtliche Zusammenstellung aller Sprachbefehle und weitere Tipps gibts bei Mac Life.

 

Dragon Dictation Dragon Dictation (kostenlos) Dragon Dictation - Nuance Communications
Wer kein iPhone 4S oder 5 besitzt, verfügt mit der kostenlosen App Dragon Dictation über denselben Diktier-Funktionsumfang wie Siri. Wie bei Siri beinhaltet auch Dragon Dictation eine Korrekturfunktion, die unterschiedliche Vorschläge anzeigt. Diktierte Texte können anschliessend in andere Text-Apps kopiert werden.

 

TurboScan TurboScan (1.80 €) TurboScan: Schnelles Scannen mehrseitiger Dokumente - Pixoft
Unterwegs keinen Scanner dabei? Mit der App TurboScan ist dies kein Problem. Die Software erkennt automatisch die Ränder eines Dokumentes, auch wenn dieses nicht in einem exakt 90 Grad-Winkel aufgenommen wurde. Via Mail kann die Datei anschliessend als PDF, PNG oder JPEG exportiert werden. Wer zur simplen Scanfunktion eine Texterkennung hinzufügen möchten, dem sei die App Perfect OCR vom selben Anbieter empfohlen (3.60 €).

 

Bilder aufnehmen, bearbeiten und finden

Mit jedem neuen iPhone wird die Kamera im Smartphone ausgebaut und die Qualität gesteigert. Dies führt dazu, dass wir mittlerweile keine teuren Spiegelreflexkameras mehr mitschleppen müssen. Mit einigen Tricks lassen sich die Smartphone-Bilder sogar noch verbessern.

iPhone Camera Kamera (kostenlos, vorinstalliert)
Mit der bereits vorinstallierten Kamera-App von Apple lässt sich unter iOS 6 u.a. manuell fokussieren, indem mit dem Finger im Bild auf die Stelle, die scharf sein soll, gedrückt wird. Nachdem das Foto geschossen wurde (dies funktioniert übrigens auch über die Tontasten am Rand des Gerätes), kann in der Bildergalerie-App das Bild zugeschnitten und grob bearbeitet werden.

 

Instagram Instagram (kostenlos) Instagram - Burbn, Inc.
Nicht erst mit der Übernahme von Facebook für eine Milliarde $ mauserte sich Instagram zu einem spannenden Tool für Journalisten. Dank Schlagwörtern und der Möglichkeit, Fotos mit einer GPS-Position zu markieren, können Bilder auf diesem sozialen und hauptsächlich mobilen Netzwerk einfach wieder gefunden werden. Readwrite hat weitere journalistische Einsatzmöglichkeiten dieser kostenlosen App zusammengestellt.

 

Adobe Photoshop Express Photoshop Express (kostenlos) Adobe Photoshop Express - Adobe
Längst nicht alle bekannten Funktionen von Adobe Photoshop sind in dieser kostenlosen App integriert. Trotzdem können damit viele Bildbearbeitungen direkt auf dem Smartphone durchgeführt werden. So ist es zum Beispiel möglich, die Helligkeit und Sättigung zu verändern, das Bild zu spiegeln oder bei Aufnahmen mit schlechten Lichtverhältnissen das Bildrauschen zu minimieren.

 

360 Panorama 360 Panorama (1 €) 360 Panorama - Occipital
Mit dem Update auf das Betriebssystem iOS 6 ist möglich, direkt in der Kamera-App mit dem iPhone 4S oder 5 eine Panoramaaufnahme zu erstellen. Doch auch auf iPhones der älteren Generation sind spektakuläre 360 Grad-Aufnahmen bereits möglich. Eine äusserst praktische App ist 360 Panorama. Die erstellten Rundumsichten können anschliessend auf eine Plattform hochgeladen und später auch im Browser angeschaut werden.

 

Unterwegs Texte schreiben und online stellen

Das möglicherweise Naheliegendste auf dem Smartphone kann mit folgenden Apps noch einfacher gestaltet werden – vor allem beim Arbeiten mit Cloud-Lösungen.

iA Writer iA Writer (1 €) iA Writer - Information Architects Inc.
Mit dem iA Writer lassen sich simpel und ohne grossen Schnörkel Texte auf dem iPhone oder iPad verfassen. Dank der Cloud-Anbindung sind sämtliche im Web gespeicherten Texte auch direkt auf dem Desktop- oder Laptop-PC verfügbar.

 

 

Evernote Evernote (kostenlos) Evernote - Evernote
Während iA Writer in erster Linie auf Funktionalität und Reduktion setzt, zeichnet sich die kostenlose Notizapp von Evernote durch multimediale Features aus. So kann die App zum Beispiel auch Notizen in Bild und Ton abspeichern und einzeln freigegeben an vordefinierte Benutzerkreise freigeben.

 

WordPress WordPress (kostenlos) WordPress - Automattic
Wer einen eigenen WordPress-Account oder -Blog hat, kann ebenfalls direkt via Mobilgerät Blogposts verfassen oder sogar publizieren. Die passende App dazu ist kostenlos und ist der intuitiven Benutzerführung der Facebook-App ziemlich ähnlich.

 

Tumblr Tumblr (kostenlos) Tumblr - Tumblr
Eine ähnliche App, wie sie für WordPress verfügbar ist, wurde auch für den Blogdienst Tumblr entwickelt. Auch hier können sämtliche Blogpost-Arten direkt via Smartphone hochgeladen und veröffentlicht werden.

 

 

Videos aufnehmen und bearbeiten

Selbstverständlich reicht wie bei der Bilderaufnahme auch bei Aufnahmen von Videos die bereits installierte Kamera-App. Wichtig sind bei Filmaufnahmen einzig zwei Dinge:

  1. Vor der Aufnahme fokussieren. Dies funktioniert genau gleich wie beim Fotografieren: Finger im Bild auf die zu fokussierende Stelle halten und fertig.
  2. Immer horizontal filmen. Es gibt nichts Schlimmeres als hochformatige Videos.

 

Filmic Pro FiLMiC Pro (3 €) FiLMiC Pro - Cinegenix, LLC
Wer neben den Standardfunktionen über weitere manuelle Funktionen verfügen möchte, erhält diese in der App FiLMiC Pro. Hier kann zwischen Auflösungen und Frameraten gewählt werden, praktische Führungslinien können eingeblendet und die Audioaussteuerung von Hand gesteuert werden.

 

iMovie iMovie (4 €) iMovie - Apple
Nach der Aufnahme erfolgt die Bearbeitung. Hierzu empfehle ich aus Zeitgründen die Arbeit am Laptop oder Desktop-PC. Doch manchmal verfügt man nicht über eine solche Schnittmöglichkeit. In solchen Fällen und für mobiles Beitragerstellen lohnt sich die iPhone-Adaption von Apples iMovie. Auf mehreren Spuren können hier Videos importiert, editiert und schliesslich wieder ausgespielt und sogleich hochgeladen werden. Weitere Tipps zu iMovie auf dem iPhone hat iphone-ticker.de zusammengetragen.

 

Unterwegs auf Sendung gehen

Dass mit dem iPhone nicht nur Bilder und Texte verschickt werden können, liegt auf der Hand. Trotzdem finde ich es immer wieder erstaunlich, dass mit einem solch kleinen Gerät und der entsprechenden App theoretisch Satellitenübertragungen und TV-Übertragungswagen obsolet werden.

Bambuser Bambuser (kostenlos) Bambuser - Bambuser
Denn zum Beispiel mit der kostenlosen App Bambuser können Videos direkt live ins Netz gestreamt werden. Praktisch an der App ist ausserdem die Möglichkeit, Kommentare, Anzahl Zuschauer und Streamqualität während der ganzen Aufnahme zu überwachen.

 

Ustream Ustream (kostenlos) Ustream - Ustream.tv, Inc
Einen ähnlichen Funktionsumfang bietet auch die App des Konkurrenten Ustream. Auch mit dieser kostenlosen App können Videostreams direkt vom iPhone ins Netz gestellt werden. Zudem bietet Ustream die Möglichkeit, andere Streams direkt in der App zu starten.

 

Das kleine Etwas

Dass Journalisten immer knapp oder meist zu spät unterwegs sind, ist wohl mehr als nur ein Gerücht. Für all jene, die stets just in time sind (oder sein möchten) gibt es hier den ultimativen Tipp.

AtomUhr Gorgy Timing AtomUhr Gorgy Timing (2 €) AtomUhr (Gorgy Timing) - CompuLab, Markus Gömmel
Diese von Gorgy – dem offiziellen Hersteller der Radio-Funkuhren – produzierte Atomuhr-App gleicht sich direkt mit der CS2 Cäsium-Atomuhr in Braunschweig ab. Ausserdem können Farben und Darstellungformen individuell festgelegt werden.

 

Gut zu wissen

iPhone als Hotspot iPhone als Hotspot nutzen
Wer über ein Smartphone und eine Datenverbindung (EDGE oder 3G) verfügt, kann sein Handy auch als WLAN-Sender verwenden. Einmal verbunden, kann mit Laptops, Tablets oder anderen mobilen Geräten auf die Datenverbindung des iPhones zugegriffen werden. Eine gute Übersicht für ausländische Prepaid-SIM-Karten mit integrierten Datenangeboten gibt es übrigens im Prepaid with Data-Wiki.

 

Weiterführende Artikel

 

Diese Übersicht entstand im Rahmen einer Input-Veranstaltung für Junge Medien Schweiz und jungejournalisten.ch in Zusammenarbeit mit Felix Unholz.

4 Kommentare

  1. Direktlink: Input-Veranstaltung am 4. November zu «Mobile Journalism» | Junge Journalisten

  2. Danke für diese Zusammenstellung!
    Im Audiobereich habe ich gute Erfahrungen mit dem TCMRecorder von tascam fürs iPhone gemacht, eine leistungsfähige aber kostenlose App. Musst du dir mal anschauen…

  3. Direktlink: KulturMedien | Mobile Journalism wird immer besser | Der Auftritt macht den Unterschied

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