Wie baut man einen intelligenten Chatbot, der intuitiv bedienbar ist und ein komplexes Thema einfach verständlich näherbringen soll? Dieser Herausforderung haben wir uns bei SRF gestellt und den ersten Redaktions-Bot der Schweiz entwickelt.

Bereits vor über zwei Jahren haben wir bei SRF mit neuen interaktiven Chat-Möglichkeiten experimentiert: Im September 2014 lancierten wir – damals als erstes Medienhaus im deutschsprachigen Raum – einen redaktionellen Whatsapp-Dienst zu den nationalen Abstimmungen.

Das Unterfangen glich einer Mondlandung, die Technologie steckte schlicht noch in den Kinderschuhen. Jede Nachricht musste einzeln von Hand am Smartphone eingetippt und verschickt werden. Einzige die Broadcast-Listenfunktion war uns eine kleine Hilfe. Doch das Feedback überwältigte uns alle: Über 80% der User hätten sich ein solches Angebot für ihre tägliche News-Nutzung gewünscht.

Umso grösser war das Bestreben, trotz technologischen Hürden ein weiteres interaktives Chat-Angebot im News-Umfeld umzusetzen. Zudem haben in den letzten Monaten immer mehr Medienhäuser mit Chatbots im Facebook Messenger experimentiert.

Erster Prototyp

In einem Dreierteam zusammen mit den SRF-Kollegen Dominik Born (Entwicklung) und Patrick Arnecke (UX & Design) haben wir vom SRF News Lab deshalb bereits zu den Abstimmungen von Ende November 2016 mittels geschlossenem Alpha-Test erste Erfahrungen gesammelt.

Schnell wurde uns bewusst, dass die User-Führung durch die komplexen Inhalte die Knacknuss des Angebots darstellt. Wir haben mehrere unterschiedliche Bot-Systeme getestet: von selbstlernenden bis zu klassischen decision tree-Vorlagen.

Am Ende bestach uns Letzteres – ein Angebot, das es erlaubt, vordefinierte Pfade für den User anzulegen. Das ermöglicht zum einen zwar einen etwas kleineren Umfang, wie User mit dem Inhalt tatsächlich offen interagieren können, erleichtert aber die User-Führung durch die redaktionellen Inhalte ungemein.

So sieht «Janino – der Abstimmungsbot» im Hintergrund aus: Chatfuel dient als Backend.
So sieht «Janino – der Abstimmungsbot» im Hintergrund aus: Chatfuel dient als Backend.

Das eingesetzte Backend Chatfuel, das eng mit Facebook kooperiert, ermöglicht eine ziemlich intuitive Userführung anhand von verschiedenen Story-Blöcken. Diese können wiederum miteinander verbunden werden und ermöglichen so einen vom User definierten Story-Fluss.

So entstand in ziemlich kurzer Zeit der nun vorliegende Chatbot «Janino – der Abstimmungs-Bot von SRF». Darin erklären die beiden digitalen Assistenten Jana und Nino die wichtigsten Argumente der Befürworter und Gegner der drei nationalen Abstimmungsvorlagen und zeigen mögliche Auswirkungen auf. Dank einer simplen AI können User ausserdem einzelne freie Stichworte eingeben – der Bot reagiert anschliessend mit entsprechenden Antworten.

Was wir uns erhoffen

Beim vorliegenden Bot handelt es sich um ein Experiment, eine erste öffentliche Beta-Version. Dabei steht der Lerneffekt im Mittelpunkt. Wir erhoffen uns, mit diesem Bot möglichst viele Erkenntnisse über die User-Führung und Nutzung dieses Bots in Erfahrung bringen zu können und damit für mögliche weitere Projekte zu lernen.

Umso wichtiger ist uns auch jedes einzelne Feedback. Wer den Bot genutzt hat, kann sich gerne direkt hier in den Kommentaren, via Twitter (@konradweber) oder Mail bei mir melden.

Medienreaktionen

 

 

2 Kommentare

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  2. Ich habe den Bot genutzt. Erstmal Kompliment, ich beobachte ja schon länger, wie du mit deinem Team bei SRF immer wieder Neuland beschreitest. Bei den WhatsApp Usern war ich auch dabei.
    Ich habe den Bot konsumiert und nicht getestet. Gut gefallen haben mir die Texte: einfach und klar. Dieses Vorgehen ermöglicht es, komplexe Inhalte strukturiert zu vermitteln. Das hat aber beim heutigen Stand der Technik auch die Folge, dass es sich weniger um ein Gespräch (Chat), sondern eher um ein Auffalten von Inhalten handelt. Als User habe ich noch nicht das Gefühl, dass mir der Bot auch bei unbeholfenen Fragen hilft. Es ist eher eine gut angeleitete Navigation durch ein Thema. Dafür entfällt hier die Frage, wo der Übergang von Mensch zu Maschine ist. 😉 Ich bin übrigens bei Nino hängen geblieben. Wie man zu Nina wechselt, habe ich nicht mitbekommen. Wie gesagt: ich habe einfach mal nur konsumiert und mich leiten lassen.

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