Digitale Transformation Praxisbeispiel

Endlich: medienkonvergente Zeitungskonzepte auf dem iPad

Genau ein halbes Jahr ist es her, dass Herr und Frau Schweizer zum ersten Mal ein iPad berühren konnten. Dass der Touchscreen irgendwann das bedruckte Papier ablösen wird ist unbestritten. Das damit zusammenhängende und von vielen Seiten herbeidiskutierte Zeitungssterben blieb allerdings aus. Denn: Auch ein halbes Jahr nach dem Produktelaunch von Apple stecken iPad-Tageszeitungen noch immer in den Kinderschuhen.
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Genau ein halbes Jahr ist es her, dass Herr und Frau Schweizer zum ersten Mal ein iPad berühren konnten. Dass der Touchscreen irgendwann das bedruckte Papier ablösen wird ist unbestritten. Das damit zusammenhängende und von vielen Seiten herbeidiskutierte Zeitungssterben blieb allerdings aus. Denn: Auch ein halbes Jahr nach dem Produktelaunch von Apple stecken iPad-Tageszeitungen noch immer in den Kinderschuhen.

Wer seinen Zeitungstitel fürs neue Jahrhundert rüsten will, muss die heutige Mediennutzung verstehen; muss einsehen, dass Tageszeitungen in wenigen Jahren nicht mehr gedruckt werden und für langfristiges Überleben neue Strategien gefunden werden müssen. Einfaches Onlinestellen von Zeitungsinhalten reicht nicht mehr. Der Nutzer braucht einen Mehrwert, muss die Nachrichten auf dem ihm angenehmsten Endgerät konsumieren können. Solche Prozesse werden seit der Lancierung des iPads nur begrenzt angedacht. Zu oft stehen auch die Medienunternehmen selbst noch in der Entwicklungs- und Experimentierphase.

Traditionsunternehmen mit Innovationskraft

Nun sind erstmals Konzeptideen aus Stockholm im Netz aufgetaucht, die aufhorchen lassen. Das 1834 in der schwedischen Hauptstadt gegründete Medienunternehmen «Bonnier» hat auf seinem Unternehmensblog eine Produktidee präsentiert, die das iPad endlich an seine medienkonvergenten Grenzen stossen lässt.

Die Schweden faszinieren gleich in mehrerer Hinsicht: Einerseits ist «Bonnier» ein uraltes und traditionsreiches Medienunternehmen, das ursprünglich mit einer Druckerei sein erstes Geld verdiente. Andererseits wuchs der noch immer in Familienbesitz gehörende Konzern zu einem Medienunternehmen mit 10’000 Mitarbeitern, verteilt in 21 Ländern, das begriffen hat, seine Titel multimedial weiterzuentwickeln. In den vergangenen Jahren stiessen verschiedenste Unternehmen zum «Bonnier»-Konzern. Unter anderem beteiligt sich «Bonnier» an Fernsehkanälen und Filmgesellschaften und besitzt die Verlagsgruppe Weltbild.

Von der Onlineausgabe zum medienkonvergenten Informationslieferanten

Nun betritt das historische Unternehmen allerdings Neuland: Zusammen mit Journalisten aus dem eigenen Haus, Zeitungskonsumenten und Internetusern hat die Forschungs- und Entwicklungsabteilung von «Bonnier» innerhalb eines halben Jahres ein neues medienkonvergentes Tageszeitungsmodell für das iPad und andere elektronische Plattformen entworfen. Im Gegensatz zur britisch-amerikanischen Vorgehensweise, wo der «Guardian» unlängst ankündigte, dass Rupert Murdoch zusammen mit Apple eine Tageszeitung mit dem Titel «Daily» nur für das iPad entwickle, denken die Schweden über das iPad hinweg.

Ganz selbstsicher behauptet «Bonnier» die Zeitung neu erfunden zu haben. Und so ganz Unrecht haben die Macher nicht, wie dem Produktevideo oben zu entnehmen ist. Spannend ist vor allem die von Grund auf neu entwickelte Publikumseinbeziehung, die durchgezogene Möglichkeit, den Informationskanal auf verschiedenen Plattformen zu nutzen (stationärer PC, iPad, iPhone, usw.) und die Bereitschaft die verschiedenen Storytelling-Ansätze dem Inhalt der Nachricht anzupassen. Das neue Konzept wird nicht nur eine Traumvorstellung auf dem Reisbrett der Entwickler bleiben. «Bonnier» plant in wenigen Wochen die App «DN+» für die schwedische Morgenzeitung «Dagens Nyheter» zu veröffentlichen. Weitere Zeitungstitel aus dem eigenen Haus werden folgen.

Aussichten auf technische Bezahlmodelle

Das für den 13. Dezember 2010 angekündigte Apple-Update auf iOS 4.3 wird hoffentlich weitere Medienunternehmen dazu anstiften, plattformübergreifende Informationsangebote zu entwickeln. iOS 4.3 soll den Entwicklern und Publishern der verschiedenen Applikationen ermöglichen, ihre Anwendungen täglich, wöchentlich, monatlich oder jährlich aktualisieren zu lassen. Zudem biete das Update auch den Usern die Möglichkeit, die jeweilige App entweder kostenlos oder gegen einen zuvor bestimmten Betrag automatisch updaten zu lassen.