Auf Anfang Jahr haben das Schweizer Fernsehen SF und das Schweizer Radio DRS zum Schweizer Radio und Fernsehen SRF fusioniert. Dieser Prozess hatte vor allem auf organisatorische Ebene Auswirkungen. Medienkonvergente Folgen werden erst mit der Zusammenlegung von Radio- und Fernsehredaktionen im nächsten Jahr sichtbar.

Als eine der ersten medienkonvergenten Redaktionen des SRF ging die Kinderabteilung «Zambo» im September des vergangenen Jahres auf Sendung. Sie soll nun Erkenntnisse für die nächsten Projekte bei SRF liefern.

Doch welche Schritte werden folgen? Bereits seit längerer Zeit ist publik, dass Fernsehen und Radio die Redaktionen in den Bereichen Konsum, Gesundheit, IT/Neue Medien, Kultur- und Sport vereint. Nebst diesen bereits kommunizierten Projekten, stecken noch einige weitere in der Planungsphase.

Konvergenz auch bei den Informationsabteilungen

Die Marschrichtung ist klar: Obwohl stets verneint und aus publizistischer Sicht immer klar abgelehnt, wird es darauf hinauslaufen, dass auch die Abteilung «Information» des Radios und Fernsehens sich einander annähern.

In erster Linie wird sich diese Konvergenz bei den Onlineredaktionen abspielen. Analysiert man die Nutzerzahlen der beiden Portale, ist unschwer erkennbar, dass die Visits auf drs.ch durchschnittlich etwa zehnmal tiefer sind, als diese auf sf.tv. (Quelle Netmetrix, Januar 2011).

Nutzungszahlen drs.ch (Quelle: net-metrix.ch)
Nutzungszahlen drs.ch (Quelle: net-metrix.ch)
Nutzungszahlen sf.tv (Quelle: net-metrix.ch)
Nutzungszahlen sf.tv (Quelle: net-metrix.ch)

Eine Zusammenlegung der Onlineportale hätte demnach verschiedenste Vorteile: Zum einen wäre ein multimedialer Auftritt mit Audioinhalten des Radios und Videomitschnitten des Fernsehens ideal, um einen deutlichen Mehrwert zu schaffen. Zum anderen könnten somit Doppelspurigkeiten in der News-Berichterstattung vermieden werden.

Das Problem der Domain

Was bei einer anderen SRF-Tochter bereits funktioniert – «Radiotelevisione svizzera di lingua italiana» tritt seit März 2009 auch online unter einem Brand auf – kann bei SRF schlecht umgesetzt werden. So meinte Christoph Gebel, Abteilungsleiter Unterhaltung bei SRF, unlängst, man wolle die Marke «SRF» nicht zu sehr als solche beim Zuschauer positionieren. Und dass die Angebote des Radios auf der «alten» Fernseh-Domain (tagesschau.sf.tv) verbreitet werden sollte, wäre unsinnig. Allerdings ist diese Domain bereits als Informationsportal etabliert.

Erste Projekte sind bereits online

Vor allem in der Inlandberichterstattung, bzw. bei den Regionaljournalen des Radios könnten die Redaktionen vermehrt mit ihren Kollegen des Fernsehens zusammenarbeiten. Dies wurde auch in der vergangenen LINK-Ausgabe (Magazin des SRG-Publikumsrats) thematisiert. Als erste und bisher einzige arbeiten die Radiojournalisten der Regionalredaktion Bern, Freiburg und Wallis multimedial. D.h. sie berichten nicht nur via Radio zu einem speziellen Thema, sondern liefern auch einen Mehrwert im Internet, der meist vom selben Journalist bearbeitet wird.

Die Tagesschau-Reporter des Schweizer Fernsehens arbeiten nach dem selben Muster: Meist noch auf der Rückreise seiner Recherche, habe er einen Online-Artikel zum selben Thema verfasst, liess etwa Matthias Aebischer unlängst verlauten.

Weitere Entscheide folgen im März

Ob und wann die neue multimediale Online-Redaktion zusammengelegt werden sollte, ist noch nicht bekannt. Bis Ende März müssen allerdings für sämtliche Abteilungen Detailorganisationen zum Konvergenzprozess erstellt und vorgeschlagen werden. Eventuell könnten nach diesem Stichtag weitere Informationen vorliegen.

Ein kleines, jedoch nicht übersehbares Zeichen strahlt das SRF ausserdem im Bezug auf die Ausbildung neuer Journalisten aus: Ab Frühling 2011 werden Stagiaires zum ersten Mal trimedial, das heisst in Radio, Fernsehen und Internet ausgebildet.

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