Agilität Strategie

Strategie-Check: In 10 Minuten zu mehr Klarheit über die Zukunft Ihrer Organisation

95 % der Mitarbeitenden verstehen die Strategie ihrer Organisation nicht. Dieses Tool hilft Führungskräften, strategische Klarheit zu schaffen.
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Wer eine Strategie hat, die sich nicht in zwei Sätzen erklären lässt, hat keine Strategie. Das klingt zwar provokant, aber die Zahlen sind eindeutig: Gemäss Robert Kaplan und David Norton verstehen 95 Prozent aller Mitarbeitenden die Strategie ihrer Organisation nicht.

Eine ähnliche Befragung bei 300 CEOs im letzten Jahr nennt die «wachsende Kluft zwischen Strategie und Umsetzung» als grösstes Hindernis für Transformationsprozesse – grösser als Kapitalmangel, Technologieschwierigkeiten oder zunehmender Konkurrenzdruck am Markt.

Welche Gründe konkret dazu führen, dass die Mehrheit der Strategieprozesse scheitert, habe ich hier beschrieben. In den meisten Fällen handelt es sich um eine Kombination aus unklarer Diagnose und fehlender Konsequenz in der Umsetzung. Aber was schafft dazu konkret Abhilfe?

Das eigentliche Problem: Strategie ohne Diagnose

In meiner Tätigkeit als Strategieberater beobachte ich regelmässig die weitverbreitete Illusion in Führungsgremien, über eine Strategie zu verfügen, ohne sie wirklich formuliert zu haben. Die Geschäftsleitung weiss, was sie vorhat. Der Verwaltungsrat hat das grosse Bild im Kopf. Die Kommunikationsleiterin «spürt», wohin die Reise geht.

Aber was nicht in Sprache gefasst ist, kann nicht überprüft, nicht kommuniziert und nicht herausgefordert werden. Strategieforscher nennen dieses Phänomen «tacit strategy»: eine implizite Ausrichtung, die zwar intuitiv gelebt wird, aber nie explizit gemacht wurde.

Gemäss einer Analyse im MIT Sloan Management Review ist genau dies einer der Hauptgründe, warum Strategien an ihrer Umsetzung scheitern: Die Strategieentwicklung findet irgendwo weit oben abseits von der Ausführung statt. Dabei entsteht eine strukturelle Lücke, die sich im Alltag schleichend vergrössert.

Das Gegenmittel ist nicht ein weiterer Post-it-Workshop. Vielmehr bildet die Übersetzung der Analyse in eine echte Diagnose den ersten Schritt. Was bedeutet das konkret?

Analyse ist nicht gleich Diagnose. Wer die Frage nach dem Warum nicht beantworten kann, hat keine Strategie.

Stellen Sie sich vor, Sie fühlen sich seit Wochen unwohl und gehen deshalb zur Ärztin. Diese macht ein Blutbild, ein MRI, ein EKG – alles Analysen. Dann sagt sie zu Ihnen: ‹Hier sind Ihre Werte.› und geht. Das entspricht einer Strategie ohne Diagnose. Was Sie brauchen, ist eine Ärztin, die sagt: ‹Ihr Problem ist X, und zwar aufgrund von Y.› Erst dann können Sie über mögliche Behandlungen sprechen.

Und genau diese Diagnose fehlt in zahlreichen Organisationen: Ohne eine überzeugende Antwort auf das Warum der Strategieentwicklung und die Einordnung, welche strategische Relevanz einzelne Punkte aus der Analyse aufweisen, verirren Sie sich ziemlich schnell auf dem Weg zu einer Neuausrichtung in Ihrem Unternehmen.

Was das für Führungskräfte bedeutet: Strategie ist kein Zustand, der einmal erreicht wird. Sie ist eine permanente Formulierungsaufgabe. Dazu gehört auch die regelmässige Überprüfung der eigenen strategischen Annahmen.

Strategische Annahmen: Das Fundament, das niemand prüft

Jede Strategie beruht auf Annahmen: Dass der Kernmarkt stabil bleibt. Dass die wichtigsten Kund:innen weiterhin bereit sind, für Qualität zu zahlen. Dass die eigene Differenzierung tatsächlich wahrgenommen wird. Dass Regulierung kein strukturelles Risiko darstellt.

Das Tückische: Strategische Annahmen sind selten falsch beim Zeitpunkt ihrer Formulierung. Doch sie «werden falsch» über die Zeit. Langsam und unsichtbar, während das Führungsteam mit dem Tagesgeschäft beschäftigt ist. Die Arbeit mit Szenarien – sogenanntes strategisches Foresight – kann helfen, diese Annahmen systematisch zu hinterfragen und schwache Signale frühzeitig zu erkennen.

Was ist wahr resp. was müsste wahr sein? Foresight kann helfen, um die richtigen Fragen zu stellen.

Was das für Führungskräfte bedeutet: Die wichtigste Frage in jeder Strategie-Klausur ist nicht «Wohin wollen wir?», sondern «Welche unserer Annahmen könnte uns in drei Jahren teuer zu stehen kommen?». Diese Frage wird selten gestellt, weil sie unbequem ist und weil es oft keine etablierte Struktur gibt, die sie stellt.

Externe Treiber: Was in 7-10 Jahren Ihr Geschäft disruptiert

Zur Überprüfung dieser strategischen Annahmen gehört eine regelmässige Umfeldanalyse. Denn wer nur nach innen schaut, optimiert einen Kurs, der vielleicht in die falsche Richtung geht. Das ist keine neue Erkenntnis. Aber die Praxis zeigt, dass in den meisten Strategieprozessen der Aussenblick entweder weggelassen oder auf eine oberflächliche SWOT-Übung reduziert wird.

BCG kommt in seinem Foresight-Report von 2025 zum Schluss, dass die konventionellen Planungsinstrumente für die heutige Geschäftswelt strukturell ungeeignet sind. Die Organisationen, die heute Wettbewerbsvorteile aufbauen, kombinieren Datenanalyse, KI-gestützte Signaldetektion und Szenario-Arbeit.

Visualisierung des Unterschiedes zwischen Vorhersagen und strategischem Foresight.
Vorhersage vs. Foresight: Falls alle Parameter bekannt sind, lässt sich die Zukunft einfach vorhersagen. In allen anderen und komplexeren Situationen muss in Szenarien gedacht werden. (Quelle: Darstellung von Konrad Weber)

Szenario-Arbeit bedeutet allerdings nicht, fixe Vorhersagen mit einem Blick in die Glaskugel zu machen. Stattdessen werden strategisch robuste Positionen entwickelt, die unter verschiedenen Zukunftsbedingungen tragen – oder zumindest nicht kollabieren. Dabei sind die relevanten externen Treiber der nächsten Dekade nicht abstrakt: Digitalisierung der Wertschöpfung, demografischer Wandel in der Gesellschaft, geopolitische Unsicherheiten, KI-gestützte Wettbewerber aus angrenzenden Sektoren, Vertrauenserosion in Institutionen.

Was das für Führungskräfte bedeutet: Wer die externen Treiber für den eigenen Kontext nicht explizit benennt und deren strategische Bedeutung einschätzt, trifft Entscheidungen in einem selbstgewählten Vakuum.

Der Strategie-Check: Zukunfts-Diagnose ohne Beratungsaufwand

Strategieberatung schreckt oft ab: Sie sei aufwendig, teuer und zeitlich bindend, vernehme ich häufig. Aber was ist mit Führungskräften, die gerade zwischen zwei Strategiezyklen stehen und spüren, dass etwas nicht mehr stimmt – ohne dass eine formelle Review ansteht? Oder was ist mit dem neuen Geschäftsleitungs-Mitglied, das sich ein schnelles Bild über strategische Spannungsfelder machen will?

Für diese Situationen gibt es ab sofort eine Alternative: In den letzten Wochen habe ich mithilfe von Claude einen Strategie-Check entwickelt, welcher als strukturiertes Reflexionsinstrument hilft, eine erste strategische Diagnose für die eigene Organisation zu erstellen. Das Tool umfasst folgende drei Phasen:

Der Strategie-Check von Konrad Weber ermöglicht es, die eigene Strategie in 10 Minuten zu challengen.

Phase 1 — Ausgangslage: Sechs dialogische Fragen zur Differenzierung am Markt, zu strategischen Annahmen und zur bisherigen Ausrichtung decken den Kontext ab. Das Tool stellt Folgefragen, wenn Antworten ausweichen oder zu allgemein bleiben. Es zwingt zur klaren Positionierung.

Phase 2 — Ausblick: Darauf basierend werden fünf externe Treiber generiert. Daraus müssen zwei bis drei ausgewählt und spezifisch eingeordnet werden. Auf Basis dessen folgt eine pointierte Abschlussfrage.

Phase 3 — Kurz-Bericht: Als Resultat des Strategie-Checks wird ein strukturiertes Feedback ausgespielt, das klar aufzeigt, wo die aktuelle Strategie überzeugt und wo gefährliche Lücken bestehen.

Das Trainingswissen des KI-Modells (Claude Sonnet 4.5) basiert auf dem Wissensstand von Sommer 2025 und dem von Ihnen angegebenen Kontext. Die Diagnose ist vertraulich. Die Antworten werden nicht dauerhaft gespeichert. Der Bericht existiert nur im Browser, bis er exportiert oder das Fenster geschlossen wird.

Wann das Tool hilft – und wann nicht

Das Tool macht keine Empfehlungen. Vielmehr arbeitet es als kritischer Sparring-Partner und formuliert unbequeme Rückfragen. Der Wert liegt dabei nicht in den Antworten der KI, sondern in den Fragen, die zu klarer eigener Positionierung zwingen.

Das Tool wurde für spezifische Situationen entwickelt und weist deshalb klar auch Grenzen auf. So kann der Strategie-Check zum Beispiel in folgenden Momenten weiterhelfen:

  • Vorbereitung auf Strategiesitzungen: Mitglieder von Geschäftsleitungen oder Verwaltungsräten können ihre eigene Position vorab schärfen, bevor der eigentliche Strategieprozess beginnt.
  • Selbstreflexion zwischen zwei Strategiezyklen: Wenn die Strategie «irgendwie veraltet» wirkt, aber kein formeller Review ansteht, gibt der Check eine erste Diagnose ohne Berateraufwand.
  • Onboarding neuer Führungskräfte: Neue Mitglieder der Geschäftsleitung oder im Verwaltungsrat können sich schnell ein Bild von strategischen Spannungsfeldern machen.
  • Workshop-Vorbereitung: Als strukturierte Hausaufgabe können alle Teilnehmenden den Check ausfüllen. Die Berichte werden dann im Plenum verglichen und dienen als Diskussionsbasis.

In folgenden Situationen stösst das Tool an seine Grenzen:

Bei Konzernen mit mehreren Geschäftsbereichen oder stark regulierten Sektoren ist der Kontext zu komplex für einen zehnminütigen Check. Das Tool kann nur die eingegebenen Informationen verarbeiten und hat weder Zugriff auf interne Zahlen noch verfügt es über Wissen zur Vorgeschichte und zu Machtverhältnissen. Wer diese Angaben nicht teilen will oder generisch antwortet, erhält einen generischen Bericht.

Und das Tool zeigt noch etwas anderes: Strategieprozesse mit mehreren Stakeholdern, Interessenkonflikten oder offenen Machtfragen brauchen menschliche Moderation. Der Strategie-Check ist ein Instrument zur Schärfung der Diagnose und bietet keinen Ersatz für solch eine Prozessbegleitung.

Führen Sie hier Ihren Strategie-Check durch

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