Erst nach der Verifikation erfolgt die Publikation. Dieses journalistische Credo gilt leider längst nicht mehr in allen Redaktionen. Die vorgestellten Tipps zur Verifikation von Inhalten in Social Media vor (Teil I) und während eines Newsereignisses (Teil II) können helfen, diesem Credo wieder mehr Gewicht beizumessen. Teil III beschäftigt sich nun mit der eigentlichen Publikation.

Wer Inhalte in Social Networks recherchiert und diese anschliessend anderen Nutzern zukommen lässt, kuratiert. Journalisten, die kuratieren, können demnach ihre Arbeit längst nicht mehr nur ihr Eigen nennen. Deshalb sollten alle, die im und mit dem Web publizieren, folgende Fragen mit «Ja» beantworten können:

  • Rechte eingeholt?
    Selbstverständlich sind Inhalte in Social Networks bereits öffentlich. Trotzdem sollte vor jeder Veröffentlichung von Inhalten auf der eigenen Newsplattform die Urheberin der Verwendung ihres Fotos, Videos oder Textdokuments zugestimmt haben. Diese Anfrage kann via Mail oder sogar direkt auf Twitter oder Facebook erfolgen.
    Hier gilt ausserdem in vielen Redaktionen das ungeschriebene Gesetz, dass nur öffentliche User-Reaktionen zitiert werden dürfen. Darunter fallen Meldungen auf Facebook-Fanpages, die zum Beispiel bewusst für jedermann öffentlich publizierte Bilder, Videos und Texte beinhalten oder aber auch «unversteckte» Tweets. Um die öffentliche Sichtbarkeit von Inhalten zu überprüfen, lohnt sich ein Logout aus dem eigenen Account (z.B. auf Twitter/Facebook). Erst dann wird wirklich sichtbar, was öffentlich einsehbar ist und wozu spezielle Rechte vorausgesetzt sind.
  • Quelle genannt?
    Gleichzeitig mit dem Einholen der Rechte kann auch die Quellenbezeichnung abgeklärt werden. Möchte der Augenzeuge, die Fotografin oder Filmerin nur mit ihren Initialen oder gar mit Namen und Link zu einem ihrer Webprofile (Twitter/Facebook) erwähnt werden?
    Auch übrige (Text-)Quellen sollten angegeben werden. Es spricht nichts dagegen, diese direkt mit einem Link im Text einzubauen. Und übrigens: «Quelle: Youtube» gilt nicht.
  • Verifikationsstatus angegeben?
    Längst nicht jede veröffentlichte Information beruht auf zwei wasserdichten und fundierten Quellen. Umso wichtiger ist die Transparenz, inwiefern unsere Quellen fundiert oder eben nicht klar einordbar sind. Je nach Informationslage kann eine Aussage auch nur teilweise verifiziert werden. In diesen Fällen muss der Leser und die Zuschauerin aber erfahren, wieviel verifiziert werden konnte, resp. weshalb die Bilder/die Aussage nur teilweise verifiziert wurde.
  • Fehler zugegeben und korrigiert?
    Zum Offenlegen des Verifikationsstatus gehört auch das Zugeben von Fehlern. Nur wer Fehler einräumt, gewinnt an Glaubwürdigkeit bei Lesern und Zuschauern. Obwohl Fehlermeldungen in Social Networks nur halb so viel Aufmerksamkeit wie die ursprüngliche Nachricht erhalten, sollte dies kein Grund sein, um nicht eine Korrektur und womöglich deren Begründung nachzuliefern.
  • Risiken abgeschätzt?
    Dazu zwei offene Fragen: Ist es wirklich sinnvoll – vor allem in Krisensituationen – eine Information zu veröffentlichen, die eventuell nur einfach und nicht doppelt verifiziert wurde? Würde die Story eventuell auch ohne diese (Zusatz-)Information funktionieren?
  • Quelle weiterhin verfolgt?
    Nach der Publikation (und der Offenlegung der Verifikation) ist allerdings noch nicht Ende: Wer mit der/den Quelle/n weiterhin im Kontakt steht oder im Minimum diese digital abonniert hat, verpasst auch künftige Anschlussgeschichten nicht. Meist verfolgt nämlich auch der Informant die Geschichte weiterhin, hat er diese doch selbst miterlebt und deshalb ein gewisses Informationsbedürfnis.
  • Weitere Quellen gesucht?
    Über unsere Quelle können wir ausserdem erneut in den Recherchekreislauf einsteigen. Vielleicht kennt unsere Quelle noch weitere Informanten. Falls sich die Ursprungsquelle allerdings weigert, weitere Personen zu nennen, kann auch das digitale Umfeld dieser Person analysiert werden (wem folgt die Person? mit wem ist sie in Social Media verknüpft? gibt es öffentliche Bilder mit der Quelle und eventuell anderen Personen darauf?).
  • Bei Lesern und Quellenlieferanten bedankt?
    Zu guter Letzt eine nette Geste: Natürlich funktioniert die journalistische Geschichte auch ohne Dank bei involvierten Personen. Trotzdem: Wer Leser- und Quellenbindung ernst nimmt, geht auch dementsprechend mit diesen um.

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Weiterführende Artikel

  • «How to: verify content from social media» bei journalism.co.uk.
  • «8 must-reads detail how to verify information in real-time, from social media, users» bei poynter.org.

2 Kommentare

  1. Direktlink: Online-Journalismus: Mehr Erklärbären! « … Kaffee bei mir?

  2. Direktlink: Was Wissenschaftsjournalisten über Social Media wissen sollten | Online-Wissenschaftsjournalismus

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