Trotz Buzzfeed, Upworthy und breakingnews.com: Noch immer verfügen Traditionsmarken in speziellen News-Situationen über die grösste Reichweite und das höchste Vertrauen – ebenfalls in sozialen Netzwerken. An der Spitze mischt auch BBC News mit. Eine Übersicht, wie das internationale Medienunternehmen Social Media publizistisch einsetzt.

Sechs Journalisten arbeiten im Social Media-Team von BBC News und betreuen zusammen den Auftritt bei Twitter, Facebook und Google+. Zusammengenommen ergibt dies eine Community (ohne Reduktion der Schnittmengen) von 25.6 Mio. Accounts.

Doch nicht nur über die eigenen Accounts werden Inhalte der BBC geteilt. Laut einer eigenen Studie wurden BBC-Artikel im März 2014 2.7 Millionen Mal in sozialen Netzwerken gepostet. Das sei rund 50% mehr als bei der Konkurrenz. Zum einen liegt dies an der bereits grossen hauseigenen Community. Zum anderen verfügt die BBC über ein Korrespondentennetz in beinahe 100 Ländern. Dies ermögliche es dem Medienunternehmen, lokale Geschichten mit internationaler Relevanz schnell und umfassend umzusetzen, so die Urheber der Studie.

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Weiter gehört aber auch zum Erfolg des Social Media-Auftritts von BBC News, dass dafür zuständigen Redaktoren mitten im Herzen des Newsrooms sitzen.

Während die Redaktoren auf Twitter rund um die Uhr über Neuigkeiten berichten, werden auf Facebook und Google+ gezielt Artikel gepostet. Etwa sechs Mal am Tag ist dies bei Facebook der Fall, oft auch mit geobasierten Inhalten. D.h. die Posts werden nur in einer spezifischen Sprachregion angezeigt, wie Mark Frankel, Leiter des BBC News-Social Media-Teams, erklärt. Bei Google+ poste man nur zu den effektiven Peakzeiten, am Morgen, Mittag und Abend.

Zwei Dinge betont Mark Frankel im Umgang mit Social Media in Newsrooms:

  • Geschwindigkeit
  • Abwechslung

Zum einen werden Inhalte nur dann wirklich viral geteilt, wenn man mit dem korrekten (!) Inhalt als eines der ersten Medienhäuser in Erscheinung tritt. Dies setzt Newsrooms weltweit immer wieder unter Druck. Einerseits ist klar, dass – und vor allem auch bei der BBC – zuerst der Inhalt stimmen muss, bevor man mit einer Meldung sämtliche Kanäle flutet. Andererseits ist aber Geschwindigkeit im Netz und in erster Linie in Social Media essentiell, falls man überhaupt wahrgenommen werden will.

Wie BBC News ihr Breaking-News-Tool – in welchem Nachrichten für sämtliche Kanäle produziert und ausgespielt werden – geplant und aufgesetzt hat, lesen Sie hier.

Einfacher umsetzbar ist Frankels zweiter Tipp: Abwechslung. Diese kann anhand der aktuellen Themen und Artikel bewusst auch in Social Media geplant werden. Dazu gehört allerdings die Erkenntnis, dass auch ein Tweet/Facebook-Post nicht einfach einer Zufälligkeit unterliegt, sondern klar dramaturgisch im Tag geplant und disponiert werden muss – inklusive der Frage nach der passenden Medienform des Posts (nur Text?, mit Bild? oder sogar mit Video?).

Zusammenarbeit mit UGC Hub

Wer den obenstehenden Situationsplan des BBC-Newsrooms genau betrachtet, stolpert über den Begriff «UGC Hub». Dahinter steckt das «User Generated Content Hub», ein Team von Journalisten, die im 24-Stunden-Rhythmus Bilder, Videos und andere Inhalte im Internet verifizieren und den BBC-Redaktoren zukommen lassen. Über die Arbeit dieses Teams habe ich hier bereits geschrieben.

Damit Informationen intern wie auch extern wirklich richtig fliessen, ist die enge Zusammenarbeit mit dem «UGC Hub» unabdingbar, erklärt Mark Frankel. Doch auch auf andere Inputs ist das Social Media-Team angewiesen. So sei es sehr wichtig, dass zum Beispiel die verschiedenen Radio- und TV-Redaktionen laufend über Beiträge, welche sie als «teilbar» erachten, an das Social Media-Team berichten. Am Ende entscheiden aber die Social Media-Redaktoren, wie sie mit diesen Inhalten umgehen wollen.

Ähnliche Aufstellung bei SRF

Fast gleich arbeiten wir bei Schweizer Radio und Fernsehen in der News Online-Redaktion. Auch wir haben uns vor einiger Zeit für die Lancierung eines kleinen Teams von Redaktoren entschieden, von welchem sich eine/r tagsüber ausschliesslich mit unseren Social Media-Kanälen auf Twitter und Facebook befasst. Die Erfahrung zeigt, dass eine Programmkoordination, die ich verantworten darf, und ein klares gemeinsames Bild der eigenen Community zum Erfolg eines Social Media-Auftritts massgeblich beiträgt.

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